Malibu – Der kalifornische Traum

Malibu… Luxusnest und Surfer Paradies. Es erstreckt sich fast 50 Kilometer am Ozean entlang und liegt zwischen den Santa Monica Mountains und dem Pazifik. Malibu ist nicht irgendein quirliger Ort an der Küste, es ist ein Lebensgefühl. Hier entdecken Sie Wellenreiter neben Stars und Sternchen, Gourmet-Tempel und einfache Fisch-Hütten, Prominente am Zeitungskiosk oder im Café – es gibt Platz für alle.

Ein Stadtzentrum gibt es nicht wirklich, man könnte es eher eine Ansammlung von Geschäften und Restaurants nennen. Man findet Boutiquen, die einfache Flip-Flops und T-Shirts um die 100 Dollar und zerlöcherte Jeans für das Vierfache anbieten. Auf dem Spielplatz vor dem italienischen Restaurant „Tra di Noi“ trifft man die Au-Pairs der Promi-Kinder, während deren Mamis Prosecco schlürfen. Im Coffeeshop tauschen Autoren ihre Erfahrungen mit den großen Filmemachern aus und selbst wenn Steven Spielberg persönlich seinen Latte Macchiato kauft, wird geschäftig weiterverhandelt.

@ Los Angles CVB, Matt Marriott

Der Supermarkt Ralphs, schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite, wo Luxusschlitten neben verbeulten Klapperkisten parken, ist ein idealer Platz, um nach seinem Lieblingsstar zu spähen. Das einzige Problem ist, dass man sie nicht immer erkennt, denn sie sind bestens mit einer Kapuzenjacke und tiefschwarzer Sonnenbrille getarnt.

Fünf Gehminuten vom Supermarkt, ist immer sonntags der Farmers Market. Ein entspanntes Vergnügen und ein Muss für jeden Marktliebhaber. Er findet bei jedem Wetter von 10-15 Uhr statt. Buntes Treiben, herrliche Gerüche und alles taufrisch vom Biobauern. Auf diesem Markt lernt man Malibu von einer ganz anderen Seite kennen. Hier stoßen Einheimische auf Touristen und man kommt ganz leicht ins Gespräch. In einer Reihe schön gestapelte Avocados, in der anderen Türme aus knallgelben, super reifen Zitronen. Dazu am frühen Morgen gepflückte Himbeeren, Käse aus Kleinkäsereien, Backwaren, Honig, sattgrünes Olivenöl in tollen Flaschen – einfach nur ganz viel Schönes, Frisches und Köstliches. Regionale Produkte werden nach Wunsch zubereitet von vegan bis glutenfrei und gegessen wird an Tischen mit violetten Tischdecken und bunter Blumendeko. Und immer gepaart mit einer Brise des Ozeans… Ein wahres Paradies der Sinne.

Gleich um die Ecke, in der Nähe des Malibu Piers, ist Surfen angesagt! Surfrider Beach gehört zu den Hotspots dieser Welt – nur für Profis, bitte keine Anfänger – es gibt eine Rangordnung! Den 60er Jahre Song „Surfin USA“ von den Beach Boys im Ohr, Sonne und Meeresrauschen, aber nicht eine so ganz typische Strandszene! Keine Bikini Girls, alles ohne jeglichen Glamour, einfach nur blauer Himmel und warten… Alle warten auf die perfekte Welle. Kein Ort zum Flanieren und gesehen werden, die Augen sind nur auf die Surfer gerichtet. Es ist ein normaler Montag Nachmittag. Keine Touristen, die Surfboards vibrieren, etwa 40 Surfer im Neoprenanzug, denn das Wasser ist nicht so warm wie in Hawaii – sie lassen sich bei der Jagd auf die große Welle nicht aufhalten. Alle warten voll konzentriert knietief im Wasser. Eine leichte Brise wird stärker, die Wellen rollen Richtung Strand. Es bleiben Zehntelsekunden bis sie brechen. Jetzt wird es ernst. Paddeln mit Kraft, Ausdauer, Wassergefühl, Kraultechnik und eine gute Gleitlage sind entscheidend. Dann heißt es Aufrichten mit Achtsamkeit zu innerer Balance. Dumpfes Grollen, nebliger salziger Dunst und die große Frage: Bist Du bereit? Wird die Woge zum richtigen Zeitpunkt erwischt, beginnt das riskante Spiel. Und wenn es klappt, bleibt am Ende ein kurzes Hochgefühl, das im Gehirn beginnt. Der Neurotransmitter Dopamin ist für diese Freude verantwortlich und auch für den Drang, es immer wieder zu tun, denn wo eine Welle ist, ist auch ein Weg.

Malibu Surfers
@ Los Angeles CVB

Es ist nicht in Frage zu stellen, dass das Leben mit ungefähr 100 Stars Einfluss auf die übrigen 13.500 Einwohner von Malibu hat. Fast jede Ecke in der Gegend war einmal eine Hollywood Filmkulisse. Der Großteil des Ursprungsfilms „Planet der Affen” von 1968 wurde im Malibu Creek State Park in den Santa Monica Mountains gedreht. Ebenfalls versteckt in den Bergen befindet sich immer noch die Paramount Ranch. Ein alte Westernstadt, wo „Dr. Quinn – Ärztin aus Leidenschaft“ mit Jane Seymore gedreht wurde. Der Strand der Malibu Colony spielte Hintergrund für Robert Redfords und Barbra Streisands Filmkuss in „So wie wir waren“. Die US-amerikanische Sitcom „Two and a Half Men“ mit Charlie Sheen und später Ashton Kutcher wurde ebenfalls dort gedreht. 24826 Malibu Road ist die Anschrift für Samantha und Smith’s Strandhaus im Film „Sex and the City“. Geführte Touren zu den coolsten Drehorten werden natürlich von verschiedenen Veranstaltern vor Ort angeboten. Doch wenn ein Star auf der Flucht vor Paparazzi ist, sollte man sich besser ganz schnell aus der Szene verabschieden, denn da fliegen gerne mal die Fetzen.

Den Ort mit den Promis zu teilen ist nicht immer ganz so einfach. Strände in Kalifornien sind für alle da, so ist es zwar gesetzlich festgehalten, doch die Realität ist eine andere, weil viele Stars sie als ihr Privateigentum betrachten. Fährt man auf dem Pacific Coast Highway von Los Angeles aus nach Malibu, liegt auf der Meeresseite gleich die „Movie Colony. Eine Reihe von Häusern mit Strandzugang – die Meile der Schönen und Reichen. Jennifer Aniston, Mel Gibson oder Janet Jackson gehören unter vielen anderen zu den Bewohnern. Versucht man vom anderen Ende oder zwischen den Häusern den Strand zu erreichen, kann es schon sein, dass man von Sicherheitspersonal abgewimmelt wird. Verbotsschilder, die den Durchgang untersagen gibt es reichlich, die sind allerdings nicht von der Stadt angebracht. Bürger wurden kreativ und für iPhone Besitzer gibt es die App Our Malibu Beaches, um die Strandzugänge zu finden. Man muss allerdings willig sein eine Weile zu laufen, denn Parkplätze gibt es so gut wie keine.

Malibu Strand
@ Los Angeles CVB

Wer weniger Stars und mehr Natur möchte, findet am Nordende von Malibu den malerischen Zuma Beach, ein herrlich breiter, kilometerlanger, weißer Strand mit sanftem Wellengang. Die Kulisse mit den blauen Strandtürmen, Picknicktischen und Volleyballnetzen erinnert an die 90er Jahre Kult-Fernsehserie „Baywatch – Die Rettungsschwimmer von Malibu“ mit David Hasselhoff und Pamela Anderson. Zuma Beach ist der Inbegriff des kalifornischen Strandlebens und dem damit verbundenen Lifestyle. Ein kleiner Spaziergang mit Sand zwischen den Zehen und Salz auf der Haut zur felsigen Landzunge Point Dume lohnt sich, die Aussicht ist traumhaft und von hier aus sieht man meistens Delfine und im Winter sehr oft Grauwale vorbeizeihen. An dieser Stelle der Küste gehen die Klippen steil ab, was für Surfer ideal ist, die hier im Vergleich zu Surfrider Beach reichlich Platz finden, um auf ihre Kosten beziehungsweise ihre Welle zu kommen.

Wanderfreunde finden in den Santa Monica Mountains jede Menge Pfade. Meine Lieblingswanderung führt durch den Solstice Canyon und ist etwa 3,5 Kilometer lang. Vom Pacific Coast Highway biegt man in die Coral Canyon Road, direkt vor einer Tankstelle. Vom Parkplatz aus geht es zunächst auf einer geteerten Straße durch einen romantischen Mischwald. Später wird es etwas rustikaler und bald erreicht man die Ruinen des „Matthew Keller House“, was in 2007 bei einem Feuer zerstört wurde. Entlang des Weges stehen Ruinen von Häusern, die in den 50er Jahren erbaut wurden. Sie erzählen die Geschichte von Menschen, die einst hier lebten. Hie und da ragt eine orangefarbene Strelitzie, auch Paradiesvogelblume genannt, durch das dichte Gestrüpp. Wenn es genügend Regenfälle gab, erblickt man zwischen gespaltenen Felsen einen rauschenden Wasserfall, der sich in einem natürlichen Becken sammelt. Es ist ein verwunschener Platz mit bizarren Felsgebilden. Beim Abkühlen im Wasser ist Vorsicht geboten, denn die moosbewachsenen Steine sind sehr glitschig. Der schönste Rückweg, ist der „Rising Sun Trail“, der eine traumhafte Aussicht auf das Meer bietet.

Solstice Canyon
@ NPS

Für Kunstliebhaber ist die Getty Villa eine Schatztruhe der besonderen Art. Sie ist einer der Standorte des J. Paul Getty Museums und beherbergt mehr all 40.000 griechische, etruskische und römische Antiquitäten. Der Ölmilliardär Paul Getty errichtete hier sein Wohnhaus und eine Galerie. Es ist ein Nachbau der Villa dei Papiri bei Herculaneum in Süditalien, die bei einem Ausbruch des Vesuvs unter Asche begraben wurde. Auf dem Grundstück befinden sich ein Amphitheater, Café, ein Bücherladen und ein Studienzentrum. Die Gärten zu erkunden ist wunderschön. Es gibt 300 Pflanzenarten, die zwischen Skulpturen, Wasserbecken und Fontänen gelegen sind. Hinzu kommt ein herrlicher Rundumblick auf den Pazifik. Der Eintritt ist frei, doch die Parkgebühr liegt bei $15. Im Sommer unbedingt vorher reservieren.

Getty Villa
@ Los Angeles CVB

Malibu hat eine experimentierfreudige Restaurantszene mit bemerkenswerter Vielfalt. An einem 200 Meter langen Strand, direkt um die Ecke von Thomas Gottschalks restaurierter Mühle, liegt Bob Morris’s Paradise Cove Beach Café. Ein perfekter Familienbetrieb mit freundlichem Service. Essen am Strand mit den Füßen im Sand ist zum Frühstück, Mittag- oder Abendessen möglich. Innen werden für die Wartenden Erdnüsse angeboten, die Schalen darf man einfach auf den Boden werfen. Die Preise sind mittlerweile heftig, und auch die Parkgebühr ist nicht zu verachten, aber… die Lage ist nicht zu überbieten. Nach dem Essen kann man noch schön in einem Liegestuhl das Meeresrauschen genießen. Typisches California Feeling!

Eine Kostprobe von etwas mehr Luxus ist das Nobu, Nobel-Ableger der Sushi Restaurants von Nobu Matsuhisa. Schon auf dem Parkplatz wird klar, dass ein leckeres rohes Fischchen in schlichtem japanischem Ambiente seinen Preis hat. Bugatti, Rolls-Royce, Bentley oder Lamborghini, Ferrari, Maserati werden als Augenweide serviert und stehen zur Schau gestellt – selbstverständlich vorne an. Direkt am Carbon Beach gelegen, fügt es sich mit seiner kühlen Eleganz perfekt in die Gegend ein. Die Qualität ist außergewöhnlich, der Service großartig und der leidenschaftliche Wunsch den Gästen ein unvergessliches Erlebnis zu bieten, ist dem Erfinder wirklich gelungen. Unbedingt vorher reservieren!

Doch nicht weit nördlich von der Pepperdine Universität, am Anfang des Malibu Canyon, befindet sich der Knaller. Malibu Seafood – direkt gegenüber vom Dan Blocker Beach. Morgens ist niemand da, denn das Fischerboot ist auf hoher See bei der Arbeit, um zu garantieren, dass das, was serviert wird, auch wirklich frischer Fisch ist. Fällt die Beute, wenn das Netz aus dem Wasser gezogen wird, nicht so groß aus wie erwartet, ist das Angebot einfach kleiner. Fisch zum Mitnehmen oder dort bestellen in bester Qualität ist höchstes Gebot; wenn man Wein zum Essen will, besser mitbringen, denn den gibt es dort nicht. Ein absoluter Genuss, mit Meerblick, viel Charme und super cool!

Malibu Seafood

Malibu ist klein und laut, voller Gegensätze und doch inspirierend. Ein Ort, an dem man immer wieder gerne zurückkommt. California Dreamin’ – der kalifornische Lebenstraum!

Malibu
Los Angeles CVB/Matt Marriott

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