Colorado’s verstecktes Juwel
Der Hanging Lake ist eines der märchenhaften Juwelen Colorados. Seine zarten Wasserfallsträhnen, das bonbongrüne Wasser, seine Lage an einer Felswand – daher der Name – und die üppige Umgebung machen ihn zu einem der beliebtesten Wanderziele in Colorado. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde der See 2011 zum „National Natural Landmark“ ernannt.
Colorado kann rau sein. Gewaltige Canyons, schroffe Felswände, endlose Wälder und Straßen, die sich durch eine Landschaft schlängeln, die manchmal größer wirkt, als man sie mit Worten beschreiben kann. Und dann gibt es Orte wie den Hanging Lake – überraschend klein, überraschend still und so ungewöhnlich, dass man sich fragt, ob die Natur hier nicht ein wenig übertrieben hat.

Der Weg dorthin beginnt mitten im Glenwood Canyon. Der Colorado River hat sich tief in das Gestein geschnitten und eine Landschaft geschaffen, die schon vom Tal aus beeindruckt. Doch unser Ziel liegt weiter oben. Der Rucksack sitzt, die Wanderschuhe sind geschnürt – und ziemlich schnell wird klar: Den Hanging Lake gibt es nicht ohne ein bisschen Schweiß.
Der Trail ist nur etwa 2,5 km lang, führt aber steil bergauf. Serpentinen wechseln sich mit felsigen Abschnitten und zahlreichen Stufen ab. Der See liegt auf einer Höhe von ca. 2.230 m. Es ist keine Wanderung, die man nebenbei erledigt. Dafür ist sie kurz genug, um auch für weniger ambitionierte Wanderer machbar zu sein, sofern man sich Zeit lässt und die nötige Kondition mitbringt.

Während man höher steigt, verändert sich die Perspektive. Zwischen den Bäumen tauchen immer wieder die gewaltigen Wände des Glenwood Canyon auf. Unten bleibt der Colorado River zurück, während oben das Rauschen des Wassers immer deutlicher wird. Irgendwann beginnt man zu ahnen, dass das Ziel nicht mehr weit sein kann.
Und dann ist er plötzlich da.

Der Hanging Lake liegt wie eine natürliche Terrasse hoch über dem Canyon, eingefasst von hellem Fels und dichtem Grün. Sein Wasser schimmert türkis und smaragdgrün, gespeist von mehreren kleinen Wasserfällen, die über die Felswand in den See laufen. Das Zusammenspiel aus Wasser, Kalkstein und Vegetation macht diesen Ort so besonders – und erklärt, warum der See zu den bekanntesten Naturwundern Colorados gehört.
Ein Holzsteg führt am Ufer entlang und ermöglicht immer wieder neue Blicke auf den See. Hier oben sollte man sich ruhig ein paar Minuten mehr gönnen. Nicht nur für das obligatorische Foto, sondern um tatsächlich wahrzunehmen, wo man gerade angekommen ist. Nach dem Aufstieg wirkt die Ruhe des Sees fast unwirklich.
Wer noch ein kleines Stück weitergehen möchte, sollte den Spouting Rock nicht auslassen. Durch eine Öffnung im Felsen schießt Wasser direkt aus der Felswand und fällt als schmaler Wasserfall hinunter. Ein kleines Naturtheater, das zeigt, wie viel Wasser in dieser scheinbar trockenen Berglandschaft verborgen ist.

Hanging Lake – Ein Naturerlebnis mit Regeln
So verlockend der See auch wirkt – Hanging Lake ist kein Badesee und auch kein Ort für ein Picknick direkt am Wasser. Das gesamte Gebiet ist ökologisch äußerst empfindlich und wird entsprechend geschützt. Der Zugang ist limitiert und ein Permit muss vorab reserviert werden. Schwimmen, Hunde und das Verlassen der ausgewiesenen Wege sind nicht erlaubt.
Das mag zunächst streng erscheinen. Doch gerade diese Einschränkungen sorgen dafür, dass der Hanging Lake seine besondere Atmosphäre bewahren kann.
Wer den Besuch plant, sollte möglichst früh starten. Nicht nur wegen der Hitze im Sommer, sondern auch, weil der Trail später am Tag deutlich stärker frequentiert sein kann. Festes Schuhwerk, ausreichend Wasser und etwas Zeit sind wichtig. Der Weg ist steil – aber man muss ihn schließlich nicht auf Zeit bewältigen.
Und vielleicht ist genau das die beste Art, den Hanging Lake zu erleben: langsam.

Oben angekommen, lohnt es sich, die Kamera für einen Moment wegzulegen und einfach auf das Wasser zu schauen. Auf die Felsen. Auf die kleinen Wasserfälle. Auf die Landschaft, die sich hinter dem See auftut.
Der Hanging Lake ist kein Ort, an dem man möglichst schnell ankommen sollte. Der eigentliche Reiz liegt darin, sich seinen Weg dorthin zu erarbeiten.
Und wenn man anschließend wieder hinunter zum Colorado River steigt, hat man nicht nur einen außergewöhnlichen See gesehen, sondern ein kleines Stück von dem erlebt, was Colorado so faszinierend macht: wilde Landschaft, große Weite und die Gewissheit, dass hinter der nächsten Kurve schon das nächste Abenteuer warten könnte.
Gut zu Wissen:
Wo?
Glenwood Canyon, Colorado – etwa 16 km östlich von Glenwood Springs.
Der Trail
Rund 2,5 km pro Strecke. Der Weg ist kurz, aber steil und führt über Serpentinen, Felsen und zahlreiche Stufen zum See.
Zeitaufwand
Für Hin- und Rückweg sollte man ungefähr 2 – 3 Stunden einplanen – inklusive Zeit am See und am Spouting Rock. Wer gerne fotografiert und die Landschaft genießen möchte, sollte etwas mehr Zeit einrechnen.
Schwierigkeit
Mittel bis anspruchsvoll. Die Distanz ist überschaubar, der deutliche Höhenunterschied macht den Trail jedoch anstrengender, als die Länge vermuten lässt.
Permit
Der Zugang zum Hanging Lake ist limitiert. Ein Permit ist erforderlich und sollte vorab reserviert werden. Kosten pro Person €12 Mai bis Oktober; €10 November bis April.
Wichtig zum Schutz der Natur
Der Hanging Lake ist ein besonders empfindliches Naturgebiet. Schwimmen, Angeln, Hunde und das Verlassen des ausgewiesenen Trails sind nicht erlaubt. Auch Pflanzen, Steine und andere natürliche Elemente sollten unberührt bleiben.
Was mitnehmen?
Feste Wanderschuhe, ausreichend Wasser, Sonnenschutz und wettergerechte Kleidung. Das Wetter in den Bergen kann sich schnell verändern.
Beste Zeit
Die Saison und die Zugangsbedingungen können sich je nach Wetter und Trailzustand ändern. Früh am Tag ist es meist angenehmer zu wandern und oft ruhiger.
Nicht verpassen:
Spouting Rock – ein kurzer Abstecher oberhalb des Hanging Lake, bei dem das Wasser direkt aus einer Öffnung in der Felswand hervortritt.





