Sturgis – Biker-Treffen der Superlative

Bald ist es wieder soweit! Jedes Jahr im August wird ein kleines Nest, mitten in der Prärie von South Dakota, zum Traumziel vieler Motorradfahrer: Sturgis – auch bekannt unter dem Namen „Motorcycle City USA“, verwandelt sich dann zur Partymeile der Harley Freaks. Eine halbe Million Biker reisen an, zelebrieren ihre Piercings, ihre Tätowierungen und ihren Lifestyle. Die kleine Stadt ist Gastgeber eines der größten Motorradtreffen der Welt.

Angefangen hat alles am 12. August 1938. Damals hieß das Treffen Black Hills Motor Classic. Ins Leben gerufen wurde es durch einen ansässigen Motorradshop Besitzer. Beim ersten Rennen gab es angeblich nur 19 Starter, die mitfahren wollten, hinzu kamen dann noch einige schaulustige Besucher. Lange Zeit war die Rally ein überschaubares Dorffest. Doch jedes Jahr wurde die Veranstaltung ein größerer Erfolg und die kleine Stadt mit heute knapp 7000 Einwohnern wurde zum Magneten der Harley Davidson Welt. Nur während des Zweiten Weltkriegs ist das Treffen aufgrund von Benzinrationierungen zweimal ausgefallen.

Es werden mehr als eine halbe Million Biker erwartet. Wer mehr über die Geschichte der Rally erfahren möchte, kann das im Sturgis Motorcycle Museum & Hall of Fame tun. Es liegt direkt an der Main Street und ist täglich von 10-16 Uhr geöffnet. Ausgestellt sind über 100 Motorräder, ganz alte, nicht restaurierte, aber funktionsfähige Harleys. Jedes Ausstellungsstück ist ein Zeugnis der Geschichte, der Menschen, die es gebaut haben und aller Fahrer, die auf dem Sattel das kraftvolle Donnern des Motors auf einer langen Strecke gespürt haben. Jeder Besucher erhält ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer und dem Stolz, den die Harley Davidson Fahrer jedes Mal erleben, wenn sie ihre Maschinen starten.

Easy Rider, der amerikanische Kultfilm aus dem Jahre 1969 hat Legenden geschaffen: Peter Fonda, Dennis Hopper, Harley Davidson und der Soundtrack von Steppenwolf, „Born to be wild“. Für 1,35 Millionen Dollar wurde die Harley „Captain America“  aus dem Film Easy Rider versteigert. Der neue Besitzer bekam nicht nur Dokumente, die die Echtheit bezeugten, sondern auch einen persönlichen Brief von Peter Fonda. Der Schauspieler hatte zum Design des Motorrades einen ausschlaggebenden Teil beigetragen. Diese und ähnliche Ereignisse sind im Museum in Sturgis festgehalten. Unter anderem gibt es eine Dokumentation wie Peter Fonda mit Freunden von seiner Ranch in Montana zur Rally fuhr.

Mythos Harley Davidson

In einer Hinterhofgarage in Milwaukee Wisconsin entstand die berühmteste Motorradmarke der Welt. 1903 wurde das erste Motorrad von den beiden Freunden William Harley und Arthur Davidson fertiggestellt. 1920 war die Firma bereits Marktführer in den USA und es dauerte nicht lange, bis sie sich zum größten Motorradhersteller der Welt entwickelten. Sie überstanden zwei Weltkriege, Wirtschaftskrisen und eine massive Offensive japanischer und englischer Hersteller. Ihr Pioniergeist und handwerkliches Können hält die Firma bis heute am Leben. Weit über 90 Prozent bei der Sturgis Rally fahren Harley Davidson. Das Unternehmen ist selbstverständlich Sponsor der Veranstaltung und stellt die neuesten Modelle vor. Ein kleines Detail kann man nicht für Geld erwerben: das von Harley Davidson verbreitete Lebensgefühl. Viele Biker versichern immer wieder von neuem: Ein Leben ohne Harley ist möglich, aber sinnlos.

Auf der Main Street ist die absolute Hölle los. Die ganze Stadt ist ein riesiges Partygelände. Zehntausende Harley Davidsons, Victorys und American Flying Horses lassen keine Lücken auf den Straßen. Bei extremen Sommertemperaturen werden hektoliterweise Bier konsumiert. Das Polizeiaufgebot ist gigantisch, Sicherheit wird in Sturgis großgeschrieben. Die Polizisten werden aus ganz USA einberufen, Sturgis selbst hat nur 15 Sheriffs. Sie regeln hauptsächlich den Verkehr, sorgen aber auch dafür, dass Krawallbrüder und Motorradgangs den friedlichen Charakter der Veranstaltung nicht stören.

Die Sturgis Motorrad Rally ist eine Lebenserfahrung für jeden Biker. Die Aussteller lassen keine Wünsche offen. Die neuesten Harleys sind vor Ort und noch schöner, jeder darf sie ausprobieren. Eine Veranstaltung jagt die andere. Geboten werden organisierte Tagestouren durch die Black Hills, Freestyle Stuntfahrer, Konzerte mit Bands wie Steppenwolf, Foreigner, Lynyrd Skynyrd, Country Größen wie Trace Adkins, Eric Church und viele mehr auf der Freilichtbühne, Dirt-, Track-, Motocross oder Hillclimbing Rennen und für die Durstigen gibt es Trinkwettbewerbe. Jeder Gast kommt auf seine Kosten.

Bikinis und Harleys

Frauen fahren seit den Anfängen des Motorradsports Harleys. Doch seit den 80er Jahren hat sich die Zahl der weiblichen Motorradfahrer in den USA stark erhöht. Auffällig viele Frauen besuchen die Rally mit ihren dicken Harleys. Ihre eisernen Rösser sind besonders gepflegt und noch auffälliger sind ihre Outfits. Sturgis wird zu einer Art Laufsteg und die Biker Girls zu Models. Vom sexy geschnittenen Ledertop aus Lammnappa, über knallenge Jeans und bunte Shorts, bis hin zu flippigen Bandanas. Nicht zu vergessen, die abgefahrensten Biker Stiefel mit aufwendigen Ziernähten oftmals aus Pythonleder.

Das zarte Geschlecht gibt aber an der Bartheke genauso viel Gas wie auf der Maschine. Einige Biker-Schwestern nehmen auch an den Miss-Wahlen teil. Um hier aufzufallen, bedarf es einer extra großen Portion Kreativität. Spärliche Kleidung ist bevorzugt und erlaubt ist, was gefällt.

Tagsüber ist ein Großteil der Besucher mit ihren Bikes auf Tour, meistens ohne Helm, denn in den USA ist Helmpflicht eingeschränkt. Auf den Touren gibt es kaum ein Restaurant, das Rallyteilnehmer nicht einen Rabatt einräumt und keine Tankstelle die Tourteilnehmer nicht super freundlich behandelt. Die Zurückgebliebenen schrauben an ihren Maschinen, gönnen sich eine neue Tätowierung oder schließen den Bund der Ehe. Für letzteres sollte man sich allerdings frühzeitig anmelden, denn Hochzeitstermine sind gefragt.

Die ansässigen Geschäfte und Restaurants machen das Geschäft ihres Lebens. Einige erwirtschaften ihren Jahresumsatz in vier Sommermonaten. Andere vermieten ihre Läden während der Veranstaltung zu Höchstpreisen. Beim Immobilienmakler gibt es alles aus Leder. Im Gardinenshop zieht kurzfristig ein Tätowierladen ein und an der Ecke der Mainstreet steht ein Büdchen, das die Zungen durchbohrt oder Nasenringe einzieht. Wenn es dunkel wird, kehren die Massen von ihren Ausflügen zurück und stürzen sich ins pralle Vergnügen.

Sturgis ist Motorrad-Karneval pur. Wer noch nicht ausgepowert ist, kann das nachholen bei Girls-Schlammschlachten, Männerstrips, Dessous-Laser-Laufstegshows, Bungee-Springen oder auch einfach nur bei Barbecue, Burger und viel Bier. Trotzdem geht es bei der Rally relativ zivilisiert zu, was auch damit zusammenhängt, dass die meisten Biker jenseits der 40 sind und richtige Rocker sind die wenigsten. Raufereien gibt es selten. Hie und da begegnet man einem Freak in dunkler Lederkluft, ernstem Gesicht, und langem weißem Haar, das zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden ist. Dort wo man Haut sieht, starrt das Auge auf wilde Tätowierungen und Piercings an den unmöglichsten Körperstellen. Egal, wer im Sattel der eisernen Rösser sitzt – Adrenalin ist garantiert.


Die legendäre Sturgis Motoradrally ist nach Daytona das größte Harley Treffen der Welt. Harter stahl, heiße Öfen, starke Männer und abenteuerlustige Frauen treffen sich Jahr für Jahr zu einem Erlebnis, das man mindestens einmal mitmachen sollte. Motorradreisen werden von unterschiedlichen Reiseveranstaltern angeboten.

Neben der eigentlichen Veranstaltung ist es die überwältigende Landschaft South Dakotas, die diese Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen. Die meisten organisierten Trips starten in Denver, führen durch die Rocky Mountains, Black Hills, Badlands und machen zahlreiche Stopps an den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten:

Mount Rushmore, das Wahrzeichen der USA an der Ostwand der Black Hills, in dem vier Präsidentenköpfe in Granit gemeißelt sind; Crazy Horse Memorial, das ebenfalls in Stein gemeißelte Denkmal des Anführers der Oglala-Lakota-Indianer; Devils Tower oder Teufelsturm ist das älteste Nationalmonument der USA. Es ist ein 400 Meter hochragender Monolith in Crooks County im Nordosten von Wyoming.

 

 

 

 

 

 

Die Länge der Fahrtage ist je nach Buchung unterschiedlich; Tagesetappen liegen zwischen 300 und 600 Kilometern mit 5 bis 10 Fahrstunden pro Tag. Unterkünfte sind hauptsächlich in Hotels oder auf Campingplätzen vorgesehen. Bitte rechtzeitig buchen, denn obwohl reichlich Harleys von den Veranstaltern angemietet werden, ist die Kapazität begrenzt. Tagesgruppentouren kann man natürlich auch in der Stadt Sturgis direkt buchen.

Das Herz der Freiheit schlägt in Sturgis seit 77 Jahren und es ist immer noch so stark wie der Motor einer Harley Davidson. Die diesjährige Rally findet vom 3. bis 12. August 2018 statt.

So kommen Sie nach Sturgis

Von Deutschland aus fliegt man am besten Non-Stopp nach Denver mit Weiterflug nach Rapid City. Hier nehmen Sie Ihr Leihfahrzeug in Empfang, was am besten schon in Deutschland reserviert wird. Bei Pauschalreisen zur Rally ist das Motorrad meistens inbegriffen.

Infos:

Sturgis Area Chamber of Commerce
2040 Junction Avenue, Sturgis, SD 57785 * Tel: 605-347-2556 * www.sturgisareachamber.com

The City of Sturgis Rally and Event Department
1040 2nd Street, Suite 200, Sturgis, SD 57785 * Tel: 605-720-0800 * www.sturgismotorcyclerally.com

South Dakota Tourism Office
711 Wells Avenue, c/o 500 East Capitol Avenue, Pierre, SD 57501 * Tel: 605-773-3301 * www.travelsd.com

Photos: South Dakota Tourism Office; Crazy Horse Memorial; City of Sturgis;

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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