Petrified Forest Nationalpark – Versteinerte Zeugen einer fernen Vergangenheit

Petrified Forest Nationalpark mit der Painted Desert Wilderness zählt zu den höchst interessanten geologischen Phänomenen. Erleben Sie einen der magischsten Momente Ihres Lebens und besichtigen Sie zwei Standorte mit einem Besuch.

Petrified Forest liegt auf den Hochebenen im Nordosten Arizonas. Er ist einer der bekanntesten versteinerten Wälder weltweit. Um dem Raubzug auf das versteinerte Holz ein Ende zu setzen wurde er 1906 zunächst zu einem Naturdenkmal erklärt. 1962 wurde das Gebiet dann zum Nationalpark benannt und umfasst heute eine Gesamtfläche von fast 390 Quadratkilometer; geplant ist, das Schutzgebiet noch um mehrere hunderttausend Quadratkilometer zu erweitern. Eine jährliche Besucherzahl von über 650.000 Touristen rankt sich um die Hauptattraktion – versteinerte Baumstämme, die in einem baumlosen Wüstengras-Ödland liegen. Der versteinerte Wald befindet sich teilweise in der ausgetrockneten Erde verschüttet oder rundum auf dem Terrain verteilt.

Für eine Erkundung mit dem Auto eignet sich der südliche Eingang am besten. Eine fast 50 km lange Straße ist erreichbar über den US-Highway 180 sowohl von Holbrook, an der Route 66 gelegen, oder St. Johns. Beide Städte tragen den Beinamen „Gateway to the Petrified Forest“. Unser erster Stopp galt dem Besucherzentrum, dort haben wir uns mit einem 20-minütigen Film erstmal einen Ein- und Überblick in die Geschichte und Geologie verschafft, und etwas Infomaterial mitgenommen. Wer genügend Zeit hat und sich besonders für Fossilien interessiert, dem empfiehlt sich ein Abstecher ins Rainbow Forest Museum. Die Exponate verschaffen einen detaillierten Überblick in die Zeit der Trias-Periode, welche vor 248 Millionen Jahren begann, und auch der Anfang des Zeitalters der Dinosaurier war. Montierte Skelette von krokodilähnlichen Reptilien und Dinosauriern sowie zahlreiche Versteinerungen und Fossilien ergänzen das Spektrum der Ausstellung. Mit den ersten Funden des versteinerten Waldes im 19. Jahrhundert wurden immer wieder neue Fossilien freigelegt. Überreste von verschiedenen Pflanzenarten und prähistorische Relikte setzen Besucher in großes Erstaunen. Die Region ist ein Paradies für Paläontologen und Geologen.

Für die Wissenschaft sind Bäume aus Stein wichtige Zeugen der frühen Pflanzenwelt. Auf scheinbar unfruchtbarem Land stand einst ein grüner Wald. Nachdem wir im Besucherzentrum die gesamten Schätze der Urzeit, von Dinosaurier, Reptilien und Indianer begutachtet haben, erklärt mir Junior Ranger Steve vor Ort wie Holz zu Stein wird. Stirbt ein Baum, wird sein Holz im Laufe der Zeit von Pilzen und Bakterien zersetzt. Brutal ausgedrückt: Er verrottet! Mikroorganismen brauchen Sauerstoff. Ist dieser nicht vorhanden, kann Holz fossilieren wie zum Beispiel bei Skeletten. Stein entsteht erst, wenn kein Sauerstoff an das Holz gelangt. Das ist der Fall, wenn abgestorbene Bäume in einem Fluss weggeschwemmt und von Schlamm und Sand luftdicht eingewickelt werden. Auch die Einbettung von vulkanischer Asche nach einem Vulkanausbruch kann dies bewirken. Schon minimalste Konzentration von Oxiden ist ausreichend, um dem Holz schillernde Färbungen zu geben. Während des Versteinerungsprozesses wird bereits die Grundlage für die Farbe gegeben. Dafür sind unterschiedliche Elemente verantwortlich. Eisenoxide verursachen rötliche, gelbliche und braune Töne, Kieselsäure färbt weiß und einige Erze wie Hämatit schwarzgrau-metallic. Davon überzeugen wir uns gleich selbst.

Direkt hinter dem Besucherzentrum führt der erste Rundweg zu den „Giant Logs“ (Riesenbaumstämme). Viele Stämme haben die Millionenjahre nicht so gut überstanden und sind aufgrund des Gewichts in kleinere Brocken zerbrochen, aber es gibt auch immer noch unendlich viele Baumstämme, die bis zu 30 Metern lang sind und einen Durchmesser von einem Meter haben.

Zahlreiche Wege mit Aussichtspunkten führen durch das abgeschiedene Areal. Einen halben Tag lang laufen wir im August bei glühender Hitze über kleine Rundwege und Lehrpfade an den versteinerten Zeugen der Vergangenheit vorbei. Schattenspender findet man keine, dornige und hagere Büsche und einige Kakteen verteilen sich über den sandigen Boden. Die Flora und Fauna ist nicht besonders aufregend – denken wir – bis eine Herde von Pronghorns an uns vorbeizieht und uns in einer riesigen Staubwolke zurücklässt. Sie gehört zu den bedeutendsten Anwohnern der Tierwelt. Die sogenannte Gabelhorn-Antilope, die mit der Wasserarmut relativ gut zurechtkommt, zählt zu den schnellsten Läufern der Welt und erreicht eine Geschwindigkeit von 110 km/Std. Sie teilt das Land im Petrified Forest mit Kojoten, Füchsen, Luchsen, einigen Vögeln, sowie Schlangen und Echsen.

Doch wir konzentrieren uns hauptsächlich auf die grell bunten Stämme, die in unterschiedlichen Formationen, Farben und Strukturen angesammelt sind. Sie entschädigen unsere sandigen Augen nach der Begegnung mit den imposanten Pronghorns. Wir laufen gerade an einem unglaublich gut erhaltenen Baumriesen vorbei, der aussieht als wäre er aus Holz. Fasst man ihn an, ist es jedoch unwiderruflich kalter Stein. Trotz des überwältigenden Alters kann man einzelne Jahresringe perfekt erkennen. Sie erwecken den Anschein als sei der Riese gerade umgefallen. An vielen Stellen erinnert der Petrified Forest an eine Mondlandschaft. Besonders in den Bereichen des Crystal Forest und Jasper Forest, die dem Schicksal der Plünderung zum Opfer gefallen sind und durch Dynamit zu Pulver gesprengt wurden, damit Geldgierige an die begehrten Kristalle gelangten.

An dieser Stelle möchte ich kurz bemerken, dass man natürlich keine Naturschätze mitnehmen darf; im Besucherzentrum sind sie jedoch käuflich zu einem erschwinglichen Preis erhältlich. Sie stammen dann allerdings aus dem umliegenden Gebiet und nicht direkt aus dem naturgeschützten Park. Beim Kauf unbedingt die Quittung aufheben. Die Ranger dürfen jeden Wagen beim Verlassen des Parks durchsuchen, was sie stichprobenartig auch tun. Wer etwas mitnimmt muss mit Geldstrafen rechnen, in schwerwiegenden Fällen sogar mit Gefängnis. Trotz hoher Geldbußen werden pro Monat etwa 1000 kg versteinertes Holz gestohlen.

Ranger Steve hat uns zu Beginn der Tour stolz einige der fossilierten Stücke gezeigt, die er selbst geschnitten, geschliffen und poliert hat. Dies bringt die Intensität der Töne noch besser zur Geltung. Auf der gesamten Wanderung sichten wir zahllose Stämme, die an einem Kammrücken hängen und fast überkippen. Einige davon, wie die Agate Bridge, im Bereich der Blue Mesa, bilden eine natürliche Brücke zwischen zwei Felsvorsprüngen. Auf dem Gipfel eines kleinen Hügels liegt vor uns das Agate House. Es ist Teil eines kleinen Pueblos, das einst über acht Zimmer verfügte. Die Wände bestehen aus Blöcken von versteinertem Holz und Lehm. Bester Ausgangspunkt zu dieser Sehenswürdigkeit ist der Parkplatz des Rainbow Forest Museums.

Neben all den faszinierenden Zeugen der Urzeit, zwischen Stämmen und Fossilien finden Kultur- und Naturliebhaber auch andere interessante Relikte. Ranger Steve führt uns auf die Spuren der Navajo-, Zuni- und Hopi-Indianer. Am Newspaper Rock, zu dem ein steiler Pfad nach oben führt, kann man hunderte indianischer Petroglyphen bewundern. Sie befinden sich auf einem Felsvorsprung aus Sandstein, in den über Jahrhunderte Symbole und Zeichnungen eingraviert wurden. Die meisten stammen aus der Zeit zwischen 1000 und 1300 v. Chr. Leider kann man diese nur aus der Ferne bewundern, weil man den Pfad wegen instabilen Untergrunds nicht verlassen darf. Dafür stehen Ferngläser kostenlos zur Verfügung. An die Ruinen des Puerco Pueblo, den ehemaligen Behausungen der indianischen Völker, kommt man hingegen relativ nahe und kann sogar einige Grundrisse erkennen. Es gibt mehr als 500 archäologische Fundstätten im Park, die mehr oder weniger gut erhalten sind.

Mein persönliches Highlight im Norden des Parks ist die Painted Desert Wilderness, die man durch Überquerung der Interstate 40 (ehemalige Route 66) erreicht. Die Parkgrenzen wurden in den Jahren 1932 und 1970 erweitert, um das Naturwunder so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. Einige Teile sind in privater Hand, aber es wird hart daran gearbeitet Gelder zu beschaffen und das Gelände zu erweitern. Am besten lässt sich die gemalte Wüste als Brachland beschreiben, wo Erosion ein farbenprächtiges Szenarium geschaffen hat. Die Farbgebung, unendliche Weite und die Pyramidenfelsen liegen wie ein Gemälde vor uns. Gelb-braune und violett-rote Töne dominieren. Den besten Ausblick auf die Landschaft hat man von den Aussichtspunkten Lacey Point, Pintado Point und Kachina Point, der einst als wichtiger Rastplatz für Reisende entlang der historischen Route 66 galt. In diesem Bereich des Parks darf man sich auch jenseits der Straße und den Pfaden frei bewegen.

Für eine ca. zweistündige Wanderung bietet sich der Trailhead Kachina Point an. Wir marschieren über krustige Steppen, die endlos erscheinen, uns aber den Blick auf eine beeindruckende Natur gewährt, deren tiefste Geheimnisse wir nie erfahren werden. Die größte Herausforderung ist, dass es keine echten Wege oder Wegbeschreibungen gibt. Wer die natürlichen Wege verlässt, braucht unbedingt einen Kompass und Navigationskenntnisse oder noch besser ein GPS-Gerät. Wir laufen querfeldein, sehen schönstes versteinertes Holz mit Achateinschlüssen, kommen an weiteren recht gut erhaltenen Felsmalereien und Tonscherben vorbei. Doch die Wertschätzung der Vergangenheit nimmt ein Ende, als, wie so oft im Sommer, ein wolkenbruchartiger Regenfall auf uns niederprasselt. Der Wüstenstaub verwandelt sich in Sekundenschnelle in Schlamm. Wir kennen keinen Schmerz und laufen tapfer weiter, bis wir die Onyx Bridge erreichen, die aus einem fast 10m langen versteinerten Baumstamm besteht, der eine Brücke bildet. Er liegt im sogenannten Black Forest und sein stolzes Alter wird auf 210 Millionen Jahre geschätzt! Das Holz ist hier durch extrem dunkle Mineralisierung geprägt.

Wie der Name der Brücke sagt, besteht das fossile Holz meist aus Onyx, einem noch immer beliebten Schmuckstein, dessen weltweiter Bedarf aufgrund der großen Nachfrage nicht gedeckt werden kann. In der Steinheilkunde wird er eingesetzt, wenn festgefahrene Verhaltensweisen geändert werden sollen. Er hilft den Fokus zu halten und schwierige Aufgaben bis zum Ende durchzuführen. Bereits in der Antike sagte man dem schwarzen Stein magische Kräfte nach. Auch das Black Forest Gebiet wurde ausgeplündert und die schönsten Stücke verschwanden. Sie wurden vor Ort gesprengt und mit Hammer und Meißel zerschlagen, um an die darin befindlichen Amethyste oder Onyxe zu gelangen. Die nicht so edlen Kristalle wurden in einer nahegelegenen Steinmühle zu Pulver verarbeitet und als Schleifmittel verkauft. Naturschützer und Wissenschaftler versuchen mit zahlreichen Initiativen das Naturdenkmal zu erhalten und retten, was zu retten ist.

Unsere Tour neigt sich dem Ende zu. Doch da der Park im Sommer bis 19:30 Uhr geöffnet ist, werden wir mit einem traumhaften Sonnenuntergang in atemberaubender Kulisse über der Wüste belohnt. Die Abendsonne gibt dem Rot das Aussehen noch röter zu erscheinen. Die kahlen, verlassenen Ebenen und Hügel, die karge Landschaft und die unendliche Weite haben es uns angetan. Die Exkursion auf historischen Spuren ist ein unvergleichliches Erlebnis.

Info:

Petrified Forest National Park und Painted Desert Wilderness
1 Park Road
Petrified Forest, AZ 86028
Tel: 928-524-6228 * www.nps.gov/pefo

Photos: NPS; TLPoscharsky CC license;


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