Amerikas spektakulärste Bergstraße
Es gibt Straßen, die bringen dich von A nach B. Und es gibt Straßen, die sind das Ziel selbst – wie der Beartooth Highway.
Zwischen den weiten Ebenen Montanas und den rauen Gipfeln Wyomings windet sich eine der eindrucksvollsten Panoramastraßen Nordamerikas. Der Beartooth Highway, offiziell US Route 212, ist kein gewöhnlicher Roadtrip. Er ist ein Erlebnis, das Dich mit jeder Kurve tiefer in eine dramatische Hochgebirgslandschaft hineinzieht.
Die malerische Bergstraße ist bekannt für ihre atemberaubenden Ausblicke auf schroffe Gipfel, Bergseen und weite Hochebenen.

Ein Highway über den Wolken
Beartooth Highway erstreckt sich über etwa 110 Kilometer und verbindet die kleine Westernstadt Red Lodge in Montana mit dem Nordost-Eingang des Yellowstone Nationalparks. Doch Entfernungen spielen hier kaum eine Rolle – es ist die Höhe, die beeindruckt.
Die Straße steigt auf über 3.300 Meter an und gehört damit zu den höchstgelegenen befahrbaren Straßen der USA. In engen Serpentinen schraubt sie sich nach oben, vorbei an schroffen Felswänden, alpinen Seen und weiten Tundra-Landschaften. Selbst im Hochsommer können hier noch Schneefelder liegen.
Entlang des Beartooth Highway genießt man atemberaubende Ausblicke auf die Beartooth Mountains und die umliegende Wildnis sowie auf Gletscherseen, Wildtiere und die vielfältigen Ökosysteme des westlichen Teils der Rocky Mountains. Der Beartooth Highway wurde 1937 für den Verkehr freigegeben und begeistert seitdem Besucher aus aller Welt mit seinen fantastischen Ausblicken auf eine der rauesten und wildesten Gegenden der 48 kontinentalen US-Bundesstaaten.

Mit 20 Gipfeln über 3.657 Metern Höhe (darunter der Granite Peak, Montanas höchster Gipfel mit 3.897 Metern) liegen die Beartooth Mountains innerhalb der 3800 qkm großen Absaroka-Beartooth Wilderness. Grizzly- und Schwarzbären sind hier ebenso zu Hause wie Elche, Hirsche, Moose, Dickhornschafe, Rocky-Mountain-Ziegen, Berglöwen und Rotluchse. Mit über 950 Bergseen und Hunderten von Kilometern Wanderwegen bieten diese Berge zahlreiche Möglichkeiten zur Erholung – viele davon sind vom Beartooth Highway aus erreichbar.

Beartooth Highway: Kurven, Aussichten und pure Freiheit
Was den Beartooth Highway so besonders macht, ist die Kombination aus Fahrspaß und Naturgewalt. Mehr als 60 Serpentinen sorgen für ein Fahrerlebnis, das Adrenalin und Staunen gleichermaßen auslöst.
Immer wieder öffnen sich spektakuläre Ausblicke: endlose Täler, schneebedeckte Gipfel und kristallklare Seen, die wie Spiegel in der Landschaft liegen. Besonders eindrucksvoll sind die Aussichtspunkte entlang der Strecke – perfekte Spots, um innezuhalten und die Weite des amerikanischen Westens auf sich wirken zu lassen. Sie gilt als eine der malerischsten Autostrecken Amerikas, besonders im Sommer, wenn Wildblumen blühen und schneebedeckte Berge die Skyline prägen.

Auf seinem Weg vom nordöstlichen Eingang des Yellowstone Nationalparks nach Red Lodge durchquert der Highway eine beeindruckende Vielfalt an Ökosystemen – von üppigen Lodgepole-Kiefernwäldern bis hin zur alpinen Tundra. Auf dem höchsten Punkt des Highways finden sich Reisende in einer himmelhohen Welt aus Gletscherkaren, klaren Alpenseen und Schnee wieder, der bis in die Sommermonate hinein liegen bleibt. Das raue Klima in dieser Höhe verhindert das Wachstum von Bäumen und Sträuchern, und die Pflanzen, die hier wachsen, haben sich auf bemerkenswerte Weise angepasst. Einige wandeln Sonnenlicht in Wärme um, und viele sparen Wasser, ähnlich wie Wüstenpflanzen. Ende Juni und im Juli blüht die empfindliche Tundra in einer üppigen Pracht aus Wildblumen – Sternblumen, Akelei und Indian Paintbrush, um nur einige zu nennen.
Die beste Reisezeit
Der Beartooth Highway ist nur wenige Monate im Jahr geöffnet – meist von Ende Mai bis Mitte Oktober, abhängig von den Schneeverhältnissen. Selbst dann kann das Wetter schnell umschlagen: Sonnenschein wechselt sich mit Nebel, Wind oder plötzlichen Schneeschauern ab.

Gerade diese Unberechenbarkeit macht den Reiz aus. Wer früh morgens startet, erlebt oft die klarste Sicht und hat die Straße noch fast für sich allein.
Man sollte an die drei Stunden Fahrzeit für die Strecke zwischen Yellowstone und Red Lodge einplanen – mehr, wenn man die Schönheit der Absaroka-Beartooth-Bergkette wirklich erleben möchten. Ganz gleich, ob man unterwegs anhalten und die Gegend erkunden möchte oder nicht, man sollte auf jeden Fall ein paar warme Sachen im Auto haben. Also, eine Windjacke und warme Pullover oder Jacken. Denn, auf dem Gipfel des Highway to the Sky im Yellowstone Nationalpark, kann es ziemlich kühl werden.
Ein Roadtrip, den man nie vergisst
Viele Reisende nutzen den Beartooth Highway als spektakuläre Zufahrt zum Yellowstone Nationalpark. Doch diese Straße verdient mehr Zeit.
Kurze Wanderungen führen zu versteckten Seen und Aussichtspunkten, und mit etwas Glück lassen sich Murmeltiere, Bergziegen oder sogar Bären beobachten. Fotografen finden hier Motive, die fast unwirklich erscheinen – besonders im goldenen Licht der Abendstunden.

Der Beartooth Highway ist kein Ort für Eile. Er verlangt, dass man langsamer wird, öfter anhält und den Moment genießt. Es ist eine Straße, die nicht nur durch Landschaften führt, sondern durch Gefühle: Ehrfurcht, Freiheit und dieses seltene, stille Staunen.
Wer einmal hier unterwegs war, versteht schnell, warum der Beartooth Highway oft als „schönste Straße Amerikas“ bezeichnet wird.
Und warum der Weg manchmal wichtiger ist als das Ziel.
Übrigens, Motorradfahrer lieben diese Strecke. Ich gehöre nicht (mehr) zu denen, aber angeblich ist der Beartooth Highway die Nr. 1 unter den Motorradstrecken in Amerika.
Photos: NPS; Montana’s Yellowstone Country; USDA Forest Service;






